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"Das
Essener System" (1)
von Claus Günther (E GD88), Jörg
Passenberg (E GD88) UND Heinz Zedler (BS 1 DDC)
(AUSZUGSWEISER NACHDRUCK)
1. Einleitung
Das Spielziel beim
Turnierdoppelkopf besteht darin, zusammen mit verschiedenen Partnern so viele
Spiele so hoch wie möglich zu gewinnen. Mitentscheidend hierfür ist in jedem
Spiel das Verständnis mit dem jeweiligen Spielpartner. Je mehr Informationen
man hinsichtlich der Stärke und Struktur der Blätter austauschen kann, desto
leichter fällt es, einen optimalen Spielplan für die eigene Partei zu finden
und somit ein Maximum an Spielpunkten zu sammeln. Hierbei müssen
selbstverständlich die Turnierregeln wie die Leitlinien des Fair Play
eingehalten werden. Beispiele für die Möglichkeit, regelgerecht detaillierte Informationen
auszutauschen, hat Bernhard Kopp (DA MAUS) in seinem Buch ‘Gewinnen beim
Doppelkopf' (erhältlich im DokoShop) bereits gegeben.
Wir erinnern nur an die Bedeutungen von Ansagezeitpunkten, 90-Anfragen und
einigen Konventionen (As-Signal, Farbvorzugsignal bei As-Soli oder
Hoch-Niedrig-Markierungen bei Normalspielen).
Das Doppelkopfspiel
hat in der Zwischenzeit eine rasante Weiterentwicklung erfahren. Inspiriert
durch dieses Buch ist das Doppelkopfspiel mit vielen neuen Ideen bereichert
worden. Leider haben unsere persönlichen Erfahrungen gezeigt, daß diese neuen
(und auch einige alte) Ideen zur Informationsübermittlung nur von wenigen
Doppelkopffreunden in ihrer Gesamtheit verstanden und korrekt angewendet
werden, Ein prägnantes Beispiel in diesem Zusammenhang ist sicherlich die
Dullenkonvention (Vorspiel der © 10 bis zum dritten Stich). Zudem fehlt es an einem
logischen Gesamtkonzept für die regelgerechte Kommunikation zwischen den
Spielpartnern.
Das im folgenden
geschilderte Kommunikationssystem beantwortet folgende Fragen:
Wann bzw. unter
welchen Bedingungen ist ein Austausch von Informationen überhaupt sinnvoll?
Welche regelgerechten
Hilfsmittel stehen Doppelkopfspielern für die Übermittlung von Informationen
zur Verfügung?
Welche Regeln gelten
für Ihre Anwendung?
Wie hängt die
Interpretation des angewendeten Hilfsmittels von der speziellen Spielsituation
ab?
2. Übersicht
Das Essener System
ist bei der optimalen Ausreizung von Blättern der eigenen Partnerschaft
behilflich, indem es im wesentlichen die Sicherheit von Ansagen (inkl.
Gegenansagen) erhöht. Dies geschieht dadurch, daß dem Ansagenden zum Zeitpunkt
seiner Ansage, der ja in der Regel im ersten bis dritten Stich liegt, ein
höherer Wissensstand über das Spiel (hinsichtlich Kartenverteilungen,
Parteizugehörigkeit der Mitspieler etc.) zuteil wird. Das Essener System zeigt
Wege auf, wie man zum einen Informationen (hinsichtlich Struktur, Stärke seines
Blattes, Parteizugehörigkeit, Besitz bestimmter Karten etc.) gibt und zum
anderen erhalten kann. Dabei gelten folgende Grundprinzipien:
Eine
Information über das eigene Blatt wird dann freiwillig gegeben, wenn hierdurch
der Erwartungswert für die eigene Partei erhöht wird.
Dies ist in der Regel
dann der Fall, wenn man über ein überdurchschnittliches Blatt verfügt oder/und
gerade die Initiative im Spiel besitzt, da die Gegenpartei ja letztendlich
genauso informiert wird.
Eine von einem Partner geforderte Information wird
grundsätzlich gegeben.
Hier gibt es nur eine
einzige Ausnahme: Man besitzt weitere Informationen über das Spiel, die der
Partner bei seinen Überlegungen unmöglich hat mit einbeziehen können. Das
Essener System verwendet zur Informationsübermittlung die folgenden,
selbstverständlich regelkonformen Hilfsmittel (zumeist Kombinationen):
Ansagen (Verzicht auf
eine Ansage)
Wahl des
Ansagezeitpunktes
Warten vor Legen bzw.
Anspiel einer eigenen Karte (simuliertes Überlegen)
(Anspiel-)Konventionen
Die einzelnen
Komponenten haben dabei die folgenden Grundbedeutungen:
Ansagen
Ansagen werden im
Essener System immer dann verwendet, wenn dadurch der Erwartungswert des
Spiels, welcher durch die Summe der Wahrscheinlichkeiten aller möglichen
Spielausgänge - jeweils mit dem zugehörigen Spielwert multipliziert -
repräsentiert wird, für die eigene Partei erhöht wird. Es muß also immer
geprüft werden, weichen Einfluß eine Ansage auf den Spielverlauf haben kann.
Die folgende Tabelle zeigt, welche Sicherheit rein mathematisch für die
einzelnen Ansagen bzw. welche Erhöhung der Erfolgsaussichten (bezieht sich auf
Gegenansagen) notwendig ist, wenn man das bestehende Punktsystem als Grundlage
verwendet:
NOTWENDIGE
SICHERHEIT BEI (GEGEN- )ANSAGEN
|
Ansagen
|
Sicherheit für Ansagen
|
Wahrscheinlichkeitserhöhung für
Gegenansagen
|
|
Re/Kontra
|
> (=) 50,00 %
|
> (=) 18,18 %
|
|
keine 90
|
> (=) 88,89 %
|
> (=) 14,29 %
|
|
keine 60
|
> (=) 91,67 %
|
> (=) 11,76 %
|
|
keine 30
|
> (=) 93,33 %
|
> (=) 10,00 %
|
|
Schwarz
|
> (=) 94,74 %
|
> (=) 8,33 %
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